Motorradkette reinigen

Das Thema Reinigung der Antriebskette vom Motorrad ist ähnlich wie ein Reifenthema. Jeder hat hier seine Erfahrungen, Weisheiten und Mittelchen, auf die er schwört. Da ich zum Thema Ketten und Kettenreinigung meine Technikerarbeit geschrieben habe und dabei auf interessante Fakten gestoßen bin, habe ich seitdem meine Motorradketten anders gepflegt und geputzt. Und das mit großem Erfolg und dabei mit weniger Pflegemittel-Einsatz als zuvor.

Üblicherweise werben die Hersteller von Reinigungs- und Schmiermitteln diverser Art mit den gleichen Inhalten: Kettenreiniger zum reinigen und Kettenfett zum schmieren verwenden. Alternativ gibt es dann noch die Trockenschmierung per PTFE und das war’s. Letztere eignet sich wahrlich nur für Schönwetterfahrer oder vielleicht noch auf der Rennstrecke. Dazu später mehr.

Ich verwendete früher ebenfalls Produkte von Dr. Wack Chemie, die bei Polo, Louis & Co. an den Endkunden gebracht werden. Die Reinigung war stets mittelmäßig und die Schmierung okay aber Kettenfett hat einen riesen Nachteil: Es fettet und klebt. Dadurch haften auch Dreck und kleinste Sandpartikel an der Kette, was dem Sekundär-Antrieb und dessen Lebensdauer nicht unbedingt zuträglich ist. Einen Vorteil hat das Fett: Korrosionsschutz ist bestens. Da allerdings mehr und mehr Ketten mit vergüteten Materialen aufwarten und damit nicht mehr oder nicht so schnell rosten, ist dies nicht so entscheidend. Aber fangen wir mal ganz vorn an:

Die Kette reinigen

In meiner Facharbeit habe ich das Thema Kettenreinigung unter die Lupe genommen und bin dabei auf die folgenden Inhalte und Lösungen gekommen:

Zur Reinigung der Kette verwendet man ausschließlich Mittel, die keine hundertprozentig entfettende Wirkung haben und schnell verdunsten, wie zum Beispiel Petroleum oder Diesel. Bei speziellen Kettenreinigern ist es oft der Fall, dass die Reinigungsflüssigkeit in den Gelenken verbleibt und sich hinterher mit dem neu aufgetragenen Schmierstoff verbindet. Dies führt wiederum dazu, dass das Schmiermittel seine schmierenden Eigenschaften verliert und somit die Lebensdauer der Kette negativ beeinflusst.

Und so reinige ich die Ketten meiner Motorräder seit 2011 ausschließlich mit Petroleum. Das bringt neben der hervorragenden Reinigungswirkung auch einen Kostenvorteil mit sich, denn 1 Liter Petroleum schlägt mit nur 4,- Euro zu Buche. Wer Diesel verwenden möchte, kommt hier noch preiswerter weg. Kettenreiniger von S100 kostet gegenüber dem Petroleum mehr als das Zehnfache! (Preisvergleich S100 Kettenreiniger – Preis pro Liter 43,30 EUR bei Louis und Polo)

Für die Kettenreinigung demontiere ich bei einem Motorrad mit Zweiarmschwinge das Hinterrad und kann die Kette dadruch frei in eine Wanne mit Petroleum hängen lassen. Bei Motorrädern mit Einarmschwinge geht das nicht so einfach. Hier muss der Exzenter zurückgedreht und das Kettenrad demontiert werden. Danach kann man auch hier die Kette optimal im Petroleumbad reinigen. Zur gründlichen Reinigung zwischen den Kettengliedern verwende ich eine Zahnbürste. Man kann dafür auch eine alte Handwaschbürste oder die Kettenbürsten der Zubehörhändler verwenden. Auf das Ergebnis kommt es an und die Kette sollte möglichst frei von allen Verschmutzungen und alten Schmiermittelrückständen sein.

Nachdem die Kette sauber ist, geht es an Ritzel, Kettenrad und Gleitschienen. Um an das Ritzel zu gelangen, muss die Ritzelabdeckung runter. Wie wichtig die Reinigung hier ist, sieht man sofort nach der Demontage der Abdeckung, wo sich in der Regel eine Wulst aus Dreck, Fett, Öl und Staub bildet, in der die Kette jedes Mal durchfährt und dadurch die Rollen und Dichtringe immer wieder auf’s neue mit dieser hässlichen Pampe in Kontakt kommen. Auch das wird mit Petroleum und einem Werkstattputztuch einfach gereinigt und sollte regelmäßig wiederholt werden. Ritzel und Kettenrad können am besten mit einem in Petroleum getränktem Lappen von den üblichen Rückständen befreit werden. Ist alles sauber, sollte man mit einem trockenen Tuch nachwischen und die groben Rückstände des Petroleums entfernen.

Ein weiteres Augenmerk gilt der Gleitschiene auf der Schwinge und dem Schwingendrehpunkt. Im Beispiel der Moto Morini Corsaro sieht man schön, wie sich auch dort der Schmand aufgetürmt hat und eine hässliche Wulst bildet. Das muss natürlich weg. Genauso der Dreck auf der Gleitschiene, der bei angehobener Kette zum Vorschein kommt.

Die Kette Trocknen

Nach der Reingung wird zunächst alles wieder zusammengebaut und die Kette auf ihre korrekte Spannung geprüft und ggf. eingestellt. Als nächstes wird das Motorrad hinten aufgebockt und dann folgt die finale Trocknung der Kette: Kompressor startklar machen und mit Druckluft die Kette „durchblasen“. Dabei einen Lappen unter die Kette halten und immer wieder staune ich dabei, was für schwarzes Zeug aus der Kette kommt. Irgendwann hat man es geschafft und es kommt kaum noch was nach. Jetzt noch mal Kettenrad und Ritzel reinigen und danach ist der schwierige Teil endlich geschafft.

Sicher kann man auch einfach einen Kettenreiniger nehmen, die Kette einsprühen und paar Minuten warten und hoffen, dass die Chemie den Rest schon machen wird. Danach mit Wasser und vielleicht noch unter Hochdruck der Kette zu Leibe zu rücken ist meiner Ansicht nach allerdings völlig dumm. Wasser ist der Todfeind der entfetteten und gereinigten Kette. Ich reinige deshalb auf die oben beschriebene Art und Weise und das funktioniert nach eigenen Erfahrungen prächtig. Wie oft reinige ich? Pi mal Daum mindestens einmal im Jahr oder nach größeren Touren und Schlechtwetterfahrten. In der Regel alle vier- bis fünftausend Kilometer.

Die Kette schmieren

Kettenschmierung ist wieder ein Buch mit sieben Siegeln und jeder hat seine Sichtweise und Weisheiten. So darf das auch sein und hier folgt meine: Kettenfett ist meiner Meinung nach nicht ideal, da es haftend ist und der Dreck quasi an der Kette kleben bleibt und nicht abgeschleudert wird. Die Hersteller solcher Produkte bewerben die Mittel sogar mit „extrem abschleuderfest“, was eigentlich kontaproduktiv ist.

Betrachten wir ein Kettenöl, wie es jeder vom Fahrrad kennt. Auch hier kann Schmutz haften, wird aber bei hoher Drehzahl und bedingt durch die Fliehkraft nach außen getrieben und irgendwann abgeschleudert. Sicher ist das für die Bella Macchina nicht immer toll, wenn man am Heck oder Auspuff Spritzer vom Kettenschmiermittel findet. Aber es ist ein gutes Zeichen, denn der grobe Dreck und Sand wird abgeschleudert. So muss das sein! Ein Schmiermittel für die Kette sollte immer eine ölige Konsistenz behalten und trotz guter Haftung auch abschleudernd auf Verunreinigungen wirken.

Deshalb verwende ich seit mehr als 10 Jahren Kettenöl der Marke Einszett, die sich seit ein paar Jahren in Nextzett umbenannt haben. Kennt kaum jemand aber das Ultra Gel ist absolut empfehlenswert. Super Schmierung, schleudert nur im geringen Maß und nicht mehr als notwendig ab, bester Korossionsschutz und über die Schmierung kann ich auf meine Motor Morini Corsaro verweisen: Über 23.000 km und die Kette ist nach wie vor in einem perfekten Zustand, wobei es sich „nur“ um eine Regina-Kette handelt. Also nicht das Bestmaterial von DID oder ENUMA (zugegeben hervorragende Ketten).

Da das Ultra Geld von Nextzett kaum zu finden ist, gibt es hier einen Link für eine Bezugsquelle: https://www.tscherny-shop.de/Servicespray/

Eine Flasche hält bei mir circa zwei Jahre bei zwei Motorrädern.

Und noch ein Wort zum Thema Trockenschmierung: Ich verwende solche PTFE Sprays nur auf der Rennstrecke. Dort erfüllt es auch seinen Zweck und kann aufgrund der geringen Kilometerleistung einmal pro Renntraining erneuert werden. Dabei idealer Weise immer die warme Kette einsprühen, da sich das Schmiermittel dann am besten in jeden Spalt verkriechen kann. PTFE ist bekannt für seine super Kriecheigenschaften! Auf der Straße würde ich das Zeug allerdings nicht verwenden. Neben dem Thema der regelmäßigen Erneuerung und damit verbundenen hohen Kosten verfügt das Zeug nicht über die besten Schutz- und Schlechtwettereigenschaften. Für Sonntagsfahrer oder nur Schönwetterfahrer ist das okay. Für den Rennsporteinsatz auch, wo die Kette so oder so nach 1-2 Jahren erneuert wird. Aber auf der Straße bei Wind und Wetter empfehle ich das Ultragel von Einszett, sorry: Nextzett.

Und nein…ich bekomme kein Geld vom Schmiermittelhersteller und irgendwelchen anderen Firmen und Marken, die in meinem Beitrag erwähnt wurden. Das alles sind nur Erfahrungswerte, die ich mit dem Leser teilen möchte. Wenn Euch der Beitrag gefällt, dann lasst einen Daumen hoch da…

Und noch was: Bitte bei der Kettenreinigung Schutzhandschuhe verwenden!

8 Kommentare

  1. Denny Wachtfeidl
    3. November 2020

    Hallo, welche Reinigungsintervalle und Schmierintervalle hälst du mit dem Geld ein? Kannst du auch kurz schreiben wie genau du die Kette schmierst?

    Danke

  2. Frostbite88
    27. Dezember 2020

    Prinzipiell toller Artikel, aber….
    Kettenfett dient dem Korrosionsschutz ABER vor allem der Schmierung… nicht außen… INNEN…. Man bedenke dabei die hohen Temperaturen, die nach einer zügigen Fahrt zwischen Bolzen und Rollen herrschen. Normales Öl wird einfach verrauchen. Kettenfett nicht, dementsprechend länger wird die Kette halten, weil die Schmierung INNEN besser funktioniert, auch wenn sie dauerhaft dreckiger aussieht. Schließlich tauscht man eine Kette aufgrund von Längung durch Materialermüdung (durch höhere Temperaturen beschleunigt… mehr Reibung = höhere Temperaturen), nicht äußerer Abnutzung vom vielen Dreck…

  3. rowomoto
    29. Dezember 2020

    Hallo Denny, ich habe keine festen Intervalle. Solange die Kette gefühlt mit Schmiermittel versorgt ist (kurz mit Fingern prüfen) bleibt alles so, wie es ist. Die Schmierung wird nach einem Regentag auf langer Reise oder Pi mal Daum alle 1.500-2.000 km aufgefrischt. Ich übertreibe es definitiv nicht und fahre damit sehr gut. Zum Einsprühen bocke ich das Motorrad hinten auf einen Montageständer auf, drehe das Rad mit der Hand und sprühe dabei die Innenseite der Kette unterhalb der Schwinge ein. Die hier beschriebene gründliche Reinigung erfolgt mindestens alle zwei Jahre.

  4. rowomoto
    29. Dezember 2020

    …dieses von mir empfohlene spezielle Kettengel, was eine Mischung aus Öl und Fett ist, verraucht absolut nicht. Wie geschrieben: Mit meiner Methode fahre ich eine simple Regina-Kette (OEM) an meiner 1200er V2 Moto Morini seit mittlerweile 28.000 km. Kein Glied ist dabei fest und die Kette erfreut sich bester Gesundheit. Eine Kettenlängung ist auch so gut wie nicht vorhanden. Kettenfett kann man natürlich verwenden. Ich empfehle es nicht. Und darum geht es in meinem Artikel. Am Ende des Tages muss jeder selber wissen, was er tut. Ich gebe nur meine Erfahrungen weiter.

  5. Dirk Brandt
    8. März 2021

    Schöner Beitrag. Gerade die Reinigung werde ich mal probieren.

    Was ich aber komisch finde. Du schreibst Kettenfett ist eher ungünstig, aber empfiehlst zum Schluss selber Fett

    Spürbares Hochleistungs-Gelfett

    Was soll da der Unterschied zum Sprühfett S100 zb sein?

  6. rowomoto
    8. März 2021

    Hallo Dirk, gegenüber S100 ist die Konsistenz des Gel’s nicht so klebrig, dickschichtig, hat ein super Kriechvermögen, ist meiner Meinung nach weniger abschleudernd und sparsamer in der Verwendung UND viel leichter zu entfernen/reinigen. Ich habe aus Unwissenheit auch jahrelang Kettenfett verwendet. Seit 2009 verwende ich das empfohlene Produkt aus meinem Beitrag und kann gegenüber dem Fett nur Vorteile erkennen.

  7. Otto
    7. April 2021

    Hallo!
    Super Beitrag. Ich bin darauf gestoßen, weil ich auch mit Petroleum meine Motorradkette reinigen möchte. Allerdings finde ich im Baumarkt Petroleum für Lampen und Petroleum aus der Abteilung Malerbedarf.
    Welches sollte man nehmen?

    Viele Grüße aus dem schönen Brandenburg
    Otto

  8. rowomoto
    7. April 2021

    Hallo Otto – kaufe einfach das preiswerteste Produkt. Petroleum ist Petroleum. Es sollte nur nicht mit Duftstoffen versetzt sein, was manchmal bei Lampenpetroleum der Fall ist. Grüße nach Brandenburg

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