MV Agusta Brutale 800 RR SCS 2021

Zugegeben kommt es bei mir selten vor, dass ein Naked Bike für Aufsehen sorgt. Es gibt mittlerweile viele sehr gute Motorräder in dieser beliebten Sparte und die Auswahl ist vielfältig. Mit der MV Agusta Brutale 800 gibt es seit 2013 ein sehr ansehnliches und graziles Bike aus Varese. Das Modell wurde über die vergangenen Jahre mächtig weiter entwickelt, bekommt 2021 endlich ein zeitgemäßes Elektronikpaket spendiert und wurde für die neuste Abgasnorm Euro 5 fit gemacht.

Beim Motor bleibt es im Prinzip beim 800er Triple der aber viele Detailverbessungen im Inneren erhält um zum Beispiel die Reibung zu minimieren und trotz strengerer Abgasnorm den Fahrspaß mit konstant gebliebenen 140 PS einen Tick zu optimieren. Mir ist der Motor als ehemaliger F3 800 Pilot natürlich bestens bekannt. Deshalb kommt für mich auch nur die RR für eine Probefahrt in Frage. Zu meiner Freude verfügt das Motorradhaus Scheunpflug in Naunhof über das Modell mit dem Smart Clutch System (SCS). Ich bin gespannt auf die Funktion.

Beim ersten Rundgang um das Motorrad fällt der neue Endschalldämpfer auf. Wieder ein Stück größer aber nach wie vor schön anzusehen und kantiger gestaltet. Das Heck ist zum Glück so geblieben. Die “Durchreiche” unter der Sitzbank immer noch ein “eyecatcher”. Optisch gibt es an diesem Motorrad tatsächlich nichts zu meckern. Vorn ein klassisch anmutender Rundscheinwerfer mit LED-Technik und Kurvenlicht, der natürlich nicht rund ist und bei einem Blick von der Seite die Designarbeit erkennen lässt. Alles sieht passend zueinander aus, kein Teil wirkt deplaziert. Das gefiel und gefällt mir immer wieder sehr gut an den MV’s.

Aufsitzen und Platz nehmen

Auf dem Motorrad fühlt man sich schnell wohl. Eine absolut entspannte Sitzposition, Kniewinkel und Lenker. Für mein Empfinden alles genau richtig plaziert. Also Zündschlüssel drehen und das Cockpit erwacht. Das Display ist super gut ablesbar und wie bei der Brutale 1000 RR nicht zu überladen und gut ablesbar. Etwas seltsam erscheint mir der fehlende Balken für den Tankfüllstand. Bei der großen Schwester vorhanden wurde der bei der Brutale 800 entweder vergessen oder kommt noch oder fehlt absichtlich. Keine Ahnung. Machen wir uns darüber keinen Kopf und fahren lieber los.

Die ersten Meter fallen leicht und das Motorrad glänzt mit seinem spielerischen Handling. Es fährt sich absolut leichtfüßig und man wird schnell warm. Auf der Landstraße angekommen darf der Motor endlich etwas höher drehen und da war es wieder: Dieser betörende Sound des MV Triple. Was für ein herrlicher Motorensound. Das hat mir schon immer gefallen und weiß heute noch zu überzeugen. Einfach wunderschön. Man freut sich regelrecht auf die nächste Beschleunigungs-Attacke. Immer wieder ein Genuss, dieser Klang.

Smart Clutch System

Und dann die Kupplung. SCS, was ein Kupplungssystem der US-amerikanischen Firma Rekluse ist. Bisher wurde diese Technik primär im Offroad-Sport verwendet, denn mit dieser Kupplung entfällt nicht nur das Stempeln am Hinterrad (Hopping), sondern auch das Kupplung ziehen beim Stehenbleiben und wieder Anfahren. Ich bin tatsächlich beeindruckt davon. Alles funktioniert tadellos. Man muss sich natürlich daran gewöhnen, genau wie beim Blipper, die Hand vom Kupplungshebel fernzuhalten. Aber nach wenigen Kilometern ist das im Kopf implementiert und erleichtert das Fahren um ein Vielfaches. Auf langen Touren ist das mit Sicherheit eine sehr sinnvolle Sache. Das die MV auch das Hoch- und Runterschalten mit dem Schaltautomaten meistert, ist natürlich fast schon normal und keiner Rede wert. Dafür spendierte der Hersteller aus Varese 2021 einen neuen Schaltsensor, der jetzt zuverlässiger und noch besser funktionieren soll. Leider klappt der Gangwechsel immer noch nicht ganz zu meiner Zufreidenheit. Etwas rustikal geht es vor allem beim Hochschalten zu. Sowas darf geschmeidiger geschehen. Hier muss MV Agusta unbedingt nachbessern, denn solche Kleinigkeiten verhageln unnötig den Gesamteindruck von einem ansonsten super funktionierenden und meiner Meinung nach wunderschönen Motorrad.

Zum Abschluss geht auch die Brutale 800 RR SCS auf die Autobahn und darf zeigen, was in ihr steckt. Irgendwo jenseits der 250 km/h ist Schluss mit Vortrieb. Völlig ausreichend. Viel wichtiger ist das wunderbare leichtfüßige und stabile Kurvenverhalten, der in allen Lagen ausreichend durchzugsstarke Motor mit seinem herrlichen Klang sowie das gutmütige aber doch äußerst agile Fahrverhalten. Diesen Spagat hat MV wunderbar hinbekommen. Das erinnert vom Fahrverhalten fast etwas an die zweite Ducati Monster Generation. Ich empfand das alles als sehr angenehm zu fahren und mir bereitet die kleine Brutale tatsächlich mehr Fahrspaß als ihre große Schwester.

Am Ende begutachte ich noch mal die technischen Details der Maschine. Das Fahrwerk kommt nach wie vor vorn mit einer voll einsellbaren Marzocchi-Gabel gepaart mit einem Sachs-Federbein am Heck. Zudem gibt es einen voll einstellbaren Lenkungsdämpfer an Bord. Gebremst wird mit Standard Brembo Radial-Bremszangen und einer Nissin-Bremspumpe. Völlig ausreichend und in der Funktion tadellos. In der Preisklasse jenseits von 15.000,- Euro wünscht man sich allerdings wenigstens eine Monoblock-Bremszange. Egal ob nun Nissin oder Brembo. Die Kupplung wird ebenfalls hydraulisch bedient. Auch hier finden wir eine Nissin-Pumpe natürlich mit verstellbarer Hebelei.

Fazit

Mir gefällt die Brutale 800 RR SCS wirklich sehr. Wäre da nicht der sportliche Preis von fast 18.000,- Euro, würde ich schwach werden. Das ist leider etwas zu viel Geld für das gebotene Gesamtpaket. Aber MV Agusta war und ist schon immer preislich eine Herausforderung gewesen und wird das auch bleiben. Wo sonst bekommt man ein Motorrad mit so viel Detailverliebtheit und optischen Leckerbissen. Alleine die Felgen und die grazile Einarmschwinge sind ein Hingucker für sich. Die Details machen eben den Unterschied und diese MV Agusta Brutale 800 RR SCS zu etwas Besonderen was im Endeffekt seinen Preis hat.

 

 

 

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